Unsere Empfehlungen

Wir lesen aus Passion. Hier findet ihr die Bücher, die wir besonders gemocht haben, und wir sagen euch auch, warum.

empfohlen von:

Jana Friedemann

Jana Friedemann

Sekunden der Gnade Dennis Lehane

gebunden

"Ob wir sie Gooks, Nigger, Jeckes, Micks, Itaker oder Kanaken nennen, die Auswahl ist groß, Hauptsache, ihnen wird ein Teil ihres Menschseins entzogen... Wenn uns das gelingt, können wir die Kinder dazu bringen, Meere zu überqueren, um andere Kinder zu töten, oder auch daheimzubleiben und es an Ort und Stelle zu tun."

Was für ein starkes, erschütterndes Buch!
Boston, Sommer 1974, zwanzig (!) Jahre, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig erklärt hatte, soll die Schülerschaft von Boston durchmischt werden, so der Spruch des Bezirksrichters.
Schwarze sollen also mit Bussen in die weißen Stadtviertel gebracht werden und Weiße in die schwarzen Viertel. Angst, Wut und Hass kochen hoch in diesem glühend heißen Sommer.
Dann stirbt ein Schwarzer Junge und Mary Pats 17-jährige Tochter verschwindet. Mary Pat ist irischer Abstammung und so weiß, wie sie nur sein kann. Aber das Leben, das sie führt, ihr Glück, ihr Schmerz, ihr alltäglicher Kampf ums Durchkommen, dieses Leben könnte genauso gut einer Schwarzen Frau gehören.
Mary Pat macht sich auf die Suche und stellt gefährliche Fragen, bis es klar ist: Jules ist tot.
Und Mary Pat wird Rache nehmen, sich ihrer eigenen Schuld bewusst.
Dieser Roman ist fesselnd bis zur letzten Seite, die Sprache zuweilen rau, die Geschichte voller Schmerz.
Lesen!
P. S. Dennis Lehanes Romane "Mystic River" und "Shutter Island " sind sicher einigen als Verfilmung bekannt. Auch für "Sekunden der Gnade" stehen die Kameras schon bereit.

zum Produkt € 26,00*

empfohlen von:

Jana Friedemann

Jana Friedemann

Der Letzte seiner Art Sibylle Grimbert

gebunden

Sibylle Grimbert: Der Letzte seiner Art. Übersetzt von Sabine Schwenk. Erschienen im Eisele Verlag.

"Könnte es also sein, dass wir Menschen einen Fehler begangen haben?"

Am 3. Juni 1844 wurden die letzten beiden brütenden Exemplare erschlagen, das letzte Ei achtlos von Matrosen zertreten - Riesenalke - flugunfähige Vögel, deren Flügel in vielen glücklichen Jahrhunderten verkümmert waren, deren Element das Wasser war und die sich an Land nur unbeholfen watschelnd bewegen konnten.

Sybille Grimbert erzählt die Geschichte des jungen Zoologen Auguste und "seinem" Riesenalk - er nennt ihn Prosp - diese eine besondere Mensch-Tier-Beziehung, die wir doch als universell betrachten können, indem wir Menschen Tiere aus ihren natürlichen Zusammenhängen reißen, um sie zu domestizieren, zu erforschen, zu essen oder anderweitig zu nutzen - oder auch nur zu töten, weil wir es können.

Gus wird vom Naturhistorischen Museum Lille nach Island geschickt, um die dortige Fauna zu studieren. Von einem Boot aus wird er Zeuge eines Massakers an einer Kolonie von Riesenalken, soweit ist das normal für Gus. Als alles vorbei ist, bekommt er jedoch das letzte noch lebende Tier zu fassen, zieht es ins Boot, voller Aufregung und Freude über sein neues Forschungsobjekt.

Nach und nach entwickelt sich zwischen dem Forscher und dem Tier in Gefangenschaft eine tiefe Zuneigung bis hin zur Obsession.
Gus fühlt sich verantwortlich für das Schicksal seines Riesenalks, im Positiven wie im Negativen. Erst nach Jahren realisiert Gus, dass eine Art tatsächlich durch den Menschen ausgerottet werden kann - es gab verschiedene Theorien bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts - und dass auch er verantwortlich ist dafür, daß Prosp zum Letzten seiner Art wird.

Natürlich ist keine Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Riesenalk belegt, aber über diese Erzählung gelingt es Sibylle Grimbert Fragen aufzuwerfen, die wir uns heute mehr denn je über den Umgang mit Tieren stellen müssen.

Wir wünschen diesem berührenden Buch viele Leser*innen, jeder Mensch (ab 12) kann es lesen, es wird lange nachhallen.

zum Produkt € 23,00*

empfohlen von:

Stefanie Strachotta

Stefanie Strachotta

Zu wenig Zeit zum Sterben Steve Cavanagh

kartoniert

Anwalt Eddie Flynn muss den berüchtigten Paten der New Yorker Russenmafia gegen eine Mordanklage verteidigen und die Geschworenen von der Unschuld seines schuldigen Mandanten überzeugen, andernfalls stirbt seine entführte Tochter Amy und er selbst. Der Brutalo stattet ihn mit einer Bombe aus und spielt während der Verhandlung ständig mit dem Zünder rum. Flynn bleiben 48 Stunden um das Unmögliche zu schaffen und alles zu seinen Gunsten zu lösen, bevor es zu spät ist.
Doch er hat hat nicht vor, den Plan seiner Erpresser umzusetzen und eine überraschende Wendung nimmt ihren Lauf, denn Flynn wird von allen maßlos unterschätzt.

Ein komplett unrealistischer Thriller, bei dem jedoch alle Puzzleteile für die Lösung des vertrackten Falls brillant ineinander greifen. Somit ein sehr unterhaltsamer, actionreicher Pageturner, der durch das geschickte Taktieren streckenweise an "Achtsam morden" erinnert.

zum Produkt € 13,00*

empfohlen von:

Henrike Bley

Henrike Bley

Die Bäume Percival Everett

gebunden

Im Kaff Money, wo sich nicht mal mehr Fuchs und Hase Gute Nacht sagen wollen, im Süden der USA, wo die Leute Rassismus quasi mit der Muttermilch direkt eingeflöst bekommen, sterben weiße, und richtig blöde Männer. Übel zugerichtet taucht neben den Männern jedoch immer diesselbe schwarze Leiche eines Jugendlichen, Emmett Till, auf, der in den 50ern auf brutalste Art und Weise gelyncht worden ist. Und verschwindet, sobald die Leichen eingesackt und zur Gerichtsmedizin bugsiert werden.

Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen und schon bald nehmen sich zwei afroamerikanische Detektives der Sache an. Der ortsansässige, schlecht organisierte KKK-Club bemüht sich nach Kräften, die beiden Detektives einzuschüchtern (zum Glück ohne Erfolg).

Schnell machen sie auch Bekanntschaft mit Mama Z, eine alten (richtig alten!) Afroamerikanerin aus dem Ort, die ein riesiges Archiv über jedes Lynchopfer aus dem letztes Jahrhundert führt – und somit beginnt der Abstieg, immer tiefer ins Kaninchenloch…

Die schnoddrigen Dialoge ließen mich oft, in gefühlt unangebrachten Situationen, schmunzeln bis lachen.
Mich hat die Fülle und Dynamik des Buches einfach umgehauen – schnell, hart, wirklich witzig und surreal kommt die Geschichte daher und ließ mich mit einem Ende zurück, von dem ich restlos begeistert war.

Große Literatur, die so gut unterhält, kein bisschen trocken und dabei ein Aufruf gegen das Vergessen ist.

zum Produkt € 26,00*

empfohlen von:

Henrike Bley

Henrike Bley

Leonard und Paul Rónán Hession

gebunden

Ach ja, Leonard und Paul - zwei sympathische, dödelige Junggesellen aus England, irgendwo zwischen Anfang und Mitte 30.

Meist sind sie die Pointe in einem Witz, werden von Außenstehenden als Dödel und Loser wahrgenommen, welche, die nix auf die Kette kriegen.

Leonard und Paul wohnen jeweils noch im Elternhaus, unaufgeregt in wohlgeordneten Verhältnissen.
Leonard, Ghostwriter für Kindersachbücher, und Paul, Gelegenheitspostbote, treffen sich regelmäßig zum Scrabblespielen und tauschen sich dabei über die alltäglichen Begebenheiten in ihrem überschaubaren Leben aus. Doch beiden steht eine Reihe von Veränderungen bevor, die ihr Leben auf die Probe stellt...

Statt lautstarken Protagonisten, die mit Paukenschlag eine große Krise überwältigen, muss vor allem das Umwelt in dieser Geschichte lernen,
Leonard und Paul als freundliche, sanftmütige und eigentständige Personen wahrzunehmen, die sein dürfen wie sie sind. Es muss muss nicht immer eine 180° Wende sein.

Ein schöner Weckruf, sich selbst an die eigene Nase zu fassen, nicht immer andere verändern zu wollen, sondern auch mal die eigenen, selbstaufgestellten Regeln und Sichtweisen zu hinterfragen.

Ein Schmankerl, für all diejenigen, die sich mal wieder einfach eine schön-komisch erzählte Geschichte wünschen, bei der man Ende zufrieden, und ein wenig wehmütig, den Buchdeckel zuklappt.

zum Produkt € 26,00*

empfohlen von:

Henrike Bley

Henrike Bley

Rattensommer Juliane Pickel

gebunden

Lou und Sonny sind unzertrennlich, einer Symbiose gleich, gehen die zwei besten Freundinnen als eine Einheit durchs Leben. Sonny prescht voran, Lou räumt hinterher. Die Sommerferien starten, Lou und Sonny chillen in ihrem Rückzugsort erster Wahl: ein stillgelegtes Freibad, mit rostigen Geländern und leeren Schwimmbecken. So schmeckt Freiheit. Und da ist so ein Kribbeln in letzter Zeit, das Lou spürt, sobald sich ihre und Sonnys Hände berühren. Ein Kuss, noch ein Kuss und viele Fragen entstehen in den ersten Ferientagen.

Und dann kommt die Nachricht, die alles verändert: Hagen Bender kommt vorzeitig raus. Ja, genau, der besoffene Hagen Bender, der vor fünf Jahren Sonnys Mutter in einem McDonalds getötet hat, umgeschubst wegen einem Cheeseburger.

Sonny verrennt sich in Rachegelüsten und reißt sich und Lou immer mehr in den Abgrund, und stellt daduch nicht zuletzt auch die Freundschaft der beiden Mädchen in Frage.

Lou und Sonny haben mich in den heißen Tagen gefangen genommen und nicht mehr hergegeben.
Ein Sommerroman, bei dem jeder Satz wie ein scharfgeschossener Pfeil daherkommt. Das Gefühlschaos der Protagonistin Lou wird einfühlsam und authentisch beschrieben, auch Trauer, Scham und Selbstreflexion tragen dazu bei, dass sich eine gewaltige Geschichte enfaltet.

So müssen Jugendbücher sein! Ab 14 Jahren.

zum Produkt € 16,00*

empfohlen von:

Henrike Bley

Henrike Bley

All die Liebenden der Nacht Mieko Kawakami

gebunden

Mal wieder ein kleines, feines Schmankerl aus Japan!

Die zarte, poetische und ruhige Erzählstimme der Autorin hat mich tief in die Geschichte dieser einsamen Frau eintauchen lassen. Fuyuko wird 34 Jahre alt, führt ein zurückgezogenes Leben ohne Freunde und Hobbies. Und nach einem Blick in den Spiegel, erstaunt über die eigene unscheinbare und farblose Erscheinung, die ihr entgegenblickt, hadert sie mit sich und ihrem Leben. Alkohol erweist sich als schnelle Lösung für ihr Problem, sich vom eigenen Leben zu lösen. Eingeigelt in einem Schneckenhaus, gelingt es zwei lieben Menschen, die genauer hinschauen, Fuyuko doch noch herauszulocken.

„All die Liebenden der Nacht“ kommt als sehr leise Geschichte daher, die mir in ihrer Schlichtheit und sprachlichen Eleganz unglaublich gut gefallen und berührt hat. Gerade Themen wie Einsamkeit und eigene Unzulänglichkeit kamen auch schon in anderen Werken Kawakamis zu Wort.

Auch wenn Fuyuko vielleicht äußerlich nicht wirklich ihr Leben mit einem lauten Feuerwerk umkrempelt, reichen am Ende auch kleine Veränderungen, die den Mitmenschen nicht weiter auffallen, aber wohl uns Lesern! Sei es auch nur ein Spaziergang im Sonnenlicht.

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Stefanie Strachotta

Stefanie Strachotta

Der Gemeine Lumpfisch Ned Beauman

gebunden

Wir schreiben das Jahr: Irgendwann in der Zukunft, in der der Euro seinen Wert von 2022 behalten hat. Unternehmen haben die Möglichkeit, teure Auslöschungszertifikate zu erwerben. Ein Papierchen, mit dem man sich das Recht erkaufen kann, jede beliebige Spezies auszulöschen, außer sie wird von Tierexperten als intelligent eingestuft. Was ursprünglich gedacht war, um die Zerstörung des Planeten einzudämmen, ist nach hinten losgegangen. Die Erde ist am Arsch.
Resaint bewertet und klassifiziert als selbständige Gutachterin die Intelligenz unterschiedlicher Tierarten im Auftrag der Brahmasamudram Mining Company. In diesem Fall für den Lumpfisch. Ein knolliger, gräulicher Fisch mit einem krötenartigen Gesicht und hervortretenden Augen, der, wäre er ein Mensch, die ganze Zeit Schweiß auf der Stirn und trotzdem einen erschreckend kalten Handschlag hätte.
Halyard, der als Umweltverträglichkeitskoordinator in gleicher Firma angestellt ist, bereichert sich an den Leerverkäufen auf Auslöschungszertifikate. Der Lumpfisch ist nun auch so weit, nachdem Halyard aus Versehen seinen Lebensraum vernichtet hat. Leider stellt ein mysteriöser Hackerangriff auf die Biobanken (Im Tresor: Gewebeproben und Genomdaten gefährdeter Arten) das System völlig auf den Kopf und der Preis für Lumpfisch-Zertifikate geht durch die Decke. Jetzt gibt es nur noch einen Ausweg: Mithilfe der Lumpfisch-Expertin Karin Resaint irgendwo ein Exemplar auftreiben, damit die Spezies nicht als ausgerottet gilt.

Wir begleiten Halyard und Raisant, die unterschiedlicher nicht sein könnten, durch eine Welt, in der nur noch ruchloses Geschacher um Arten aus Profitgier existiert. Egal von welcher Seite, denn auch „Tierschützer“ schrecken nicht davor zurück, gen-manipulierte Experimente auf Politiker zu schleudern, um an ihre Ziele zu gelangen. Ein originelles Setting mit gut durchdachter Handlung. Eine Zukunftspersiflage vom aller Feinsten für Freunde des sarkastischen Humors, von Politik, Wirtschaft, Philosophie und vielem mehr in einer Zukunft ohne Zukunft.

zum Produkt € 24,00*

empfohlen von:

Stefanie Strachotta

Stefanie Strachotta

Going Zero Anthony McCarten

gebunden

Als sich die Möglichkeit zu einem ungewöhnlichen Experiement bietet, greift die junge Bibliothekarin Kaitlyn zu. Es handelt sich um einen Betatest von FUSION, einem Projekt der US-Geheimdienste und des Social-Media-Moguls Cy Baxter. Wem es gelingt, 30 Tage unauffindbar zu bleiben, dem winken 3 Millionen Dollar. Doch geht es Kaitlyn überhaupt um den schnöden Mammon?

Wie groß ist die Verzweiflung und wie weit gehen Menschen, um eine hohe Summe zu kassieren? Welche Folgen ergeben sich aus Situationen, die es unter normalen Umständen nicht gegeben hätte? Wer überwacht die Einhaltung der Regeln der Überwacher? Ein toller Roman mit klarem Schreibstil, der in die jeweiligen Erzählperspektiven wunderbar eintaucht. Gut platzierte Cliffhanger und der stetige Countdown am Anfang der Kapitel sorgen für Spannung. Eine Lektüre als Gedankenkitzel, denn die Zukunft ist jetzt.

zum Produkt € 25,00*

empfohlen von:

Jana Friedemann

Jana Friedemann

Siegfried Antonia Baum

gebunden

"... ich fand meine Idee, in die Psychiatrie zu fahren, sehr gut. Jemand würde mir sagen, was mit mir los war... Es würde eine Diagnose geben. Ich bildete mir die Dinge nicht ein, ich war keine Simulantin, ich war nicht überempfindlich. Ich war auch nicht verrückt, es gab Gründe."

Oh, ja, die gibt es für die Erzählerin - Frau, Mutter, Partnerin, Schriftstellerin, natürlich auch (Stief-)Tochter und eine, die plötzlich Panik bekommt. Nur ein bisschen ausruhen! Und dann soll ihr jemand sagen, wie sie den nächsten Tag übersteht. Das System, die alltägliche Ordnung funktioniert nicht mehr. Der Dispo ist ausgereizt, sie bekommt nicht einmal ein Exposé auf's Papier, ihre Beziehung bröckelt.

Und dann hat Siegfried einen Herzinfarkt, der doch unverwundbare Stiefvater, für den der Wert eines Menschen an seiner Leistung zu bemessen ist. Und der die Ich-Erzählerin weit mehr geprägt hat, als wahrhaben möchte. Aber was für ein Leben möchte SIE führen?

Antonia Baum erzählt mit großer Klarheit, aber auch Witz und Leichtigkeit von einer Frau, die an ihre Grenzen gerät. Von Rollenbildern, die nicht mehr funktionieren, von Familiengeflechten und Herkunft, die sich nicht so leicht abschütteln lässt, und von der rasenden Angst vor dem Abstieg.
Großartig!

Und Antonia Baum liest bei uns in der Chaiselongue am 5. Juli 23 - wir freuen uns riesig!

zum Produkt € 24,00*

Seite
1 2 3 ... 12