Installieren Sie die genialokal App auf Ihrem Startbildschirm für einen schnellen Zugriff und eine komfortable Nutzung.
Tippen Sie einfach auf Teilen:
Und dann auf "Zum Home-Bildschirm [+]".
Kunstvolles Warten und politische Ökonomie – oder: Geschichtsunterricht kann auch Spaß machen
Anfang der 80er Jahre beginnt für den Absolventen der „Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner“ Grischa Tannberg die berufliche Laufbahn in der staatlichen Planungskommission Berlin Leipziger Straße im 5. Stock. Zusammen mit seinem Vorgesetzten Ralf Burg soll er die außenwirtschaftlichen Beziehungen zum Brudervolk in Afghanistan ausbauen. Doch Burg erklärt ihm zu allererst, dass es mit den Afghanen wenig zu handeln gibt, da weder Industrie noch exportfähige Landwirtschaftsprodukte vorhanden sind, und führt ihn in die hohe Praxis des kunstvollen Wartens ein. Das hatte sich Grischa aber anders vorgestellt. Er entdeckt beim Einlesen in die Landeskunde, dass Afghanistan durchaus wertvolle Produkte zu bieten hat, die im Westen schwer begehrt sind, aber nur auf verschlungenen und nicht legalen Wegen dorthin gelangen. Es entsteht ein Plan. Und da eine Außenwirtschaftsabteilung durchaus auch für die Beschaffung der ständig raren Devisen zuständig ist, reist bald eine Geheimdelegation nach Kabul, um eine direkte Belieferung mit Cannabis auszuhandeln. Im Niemandsland der GÜSt (Grenzübergangstelle für die Jüngeren) Invalidenstraße entsteht der Laden der „Deutsch-Afghanischen Freundschaft“, in dem die Westberliner nach Zahlung des Eintrittsgeldes von 25,00 DM neben Mützen, Schals, Jacken vor allem preiswertes Marihuana allerbester Qualität einkaufen können. Das dies zu politischen Aufregungen führt, verwundert nicht.
Mit dieser humorvoll-satirischen Fiktion blickt Jakob Hein auf die Absurditäten deutsch-deutschen Beziehungen zurück, auf Zustände, die man aus heutiger Sicht gar nicht mehr glauben kann. Aber wäre es andererseits nicht tatsächlich friedlicher geworden, wenn der Plan Wirklichkeit gewesen wäre? So bleibt im Geschichtsbuch also immer noch die Frage: warum hat F.-J. Strauss damals der DDR den Milliardenkredit zugesagt.
zum Produkt € 23,00*