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Herzliche Einladung - 21.12.2024, ab 15:00 Uhr
Lesung mit Anika Baluran Schäfer und Yannic Han Biao Federer
Wir starten um 15 Uhr mit Anika Baluran Schäfer. Anika Baluran Schäfer (keine Pronomen) lebt in Köln und ist queer Filipinx Schriftstellerin, Performance Künstlerin und Filmemacher*in. In den eigenen Arbeiten beschäftigt sich Anika mit philippinisch-diasporischen Identitäten, dem Tagalog-Lernen aus einer Second Generation Perspektive und anti-asiatischem Rassismus. Dabei ergründet Anika (Identitäts-) Verlust und Vorstellungskraft angesichts dessen.
Anika Baluran Schäfer liest Lesung aus dem Manuskript "In der Nähe des Flusses": Jemand versucht, sich Tagalog (eine Sprache der Philippinen) wiederanzueignen – und das mit verschiedenen Mitteln: Gespräche mit Verwandten, Übersetzungsapps, Reiseführer. Der Poetry-Text wechselt fließend zwischen Deutsch und unbeholfenem Tagalog. Er zeigt, wie im Lernen Geschichten entstehen. Manche Begriffe werden beigebracht, um gehört zu werden. Andere um gesagt zu werden. Wieder andere, um gefühlt, jedoch nie ausgesprochen zu werden. "In der Nähe des Flusses" handelt von der Schwierigkeit, sich inmitten von Sprach- und Identitätsverlust auszudrücken, entgegen kolonialer Kontinuitäten und Assimilation. Es ist der Versuch, es trotz allem zu tun.
Ab 16:15 Uhr geht es weiter mit der Lesung mit Yannic Han Biao Federer. Yannic Han Biao Federer, geboren 1986 in Südbaden, studierte Germanistik und Romanistik in Bonn, Florenz und Oxford. Für seine literarischen Texte erhielt er Auszeichnungen und Stipendien, u.a. das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln 2017, den Preis der Wuppertaler Literatur Biennale 2018 und den 3sat-Preis 2019 im Rahmen der 43. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Mit dem Roman "Und alles wie aus Pappmaché" debütierte er 2019 bei Suhrkamp Nova. Sein zweiter Roman "Tao" erschien im März 2022 im Suhrkamp Verlag und wurde mit dem Bayern 2-Wortspiele-Literaturpreis ausgezeichnet. Yannic Han Biao Federer liest aus "Und alles wie aus Pappmaché. Federer begleitet darin vier junge Menschen auf ihrer Suche nach Identität und Orientierung in einer brüchig werdenden Welt. Ebenso liest Yannic Han Biao Federer aus dem Roman "Tao": Tao wird von Miriam verlassen und beginnt, der Migrationsgeschichte seines verstorbenen Vaters in einem literarischen Text nachzuforschen. Gleichzeitig interessiert sich auch Taos bester Freund Micha für seine Geschichte, als er ein Hörspiel über Hongkong schreibt.
Am 7. September 2024 findet in Kalk der Aktionstag "KalkFest trifft Tag des guten Lebens - zeig mir deine Welt" statt und wir freuen uns, mit einer hochinteressanten Lesung daran teilzunehmen. Prof. Dr. Christoph Butterwegge wird seine neuen Bücher "Deutschland im Krisenmodus" und "Umverteilung des Reichtums" vorstellen.
"Deutschland im Krisenmodus"
In den vergangenen Jahren haben sich die Lebensbedingungen eines Großteils der Bevölkerung zum Teil drastisch verschlechtert, nicht zuletzt deshalb, weil sich mehrere Krisen in kurzer Zeit häuften und überlappten: Von der Covid-19-Pandemie gingen erste Preisschübe aus, durch welche sich die Lebenshaltungskosten hierzulande stark erhöhten. Ihnen folgten die Energiepreisexplosion aufgrund des Ukrainekrieges und westlicher Sanktionen gegen Russland sowie die von Herstellern und Händlern offenbar zur Anhebung der Lebensmittelpreise auf das höhere Preisniveau vergleichbarer Länder genutzte Inflation, die Geringverdiener/innen und Transferleistungsbezieher/innen besonders hart traf. Trotzdem wiesen die "Entlastungspakete" der Ampelkoalition ebenso wie ihre Klimaschutzmaßnahmen (z.B. die Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes) eine soziale Schieflage auf: Finanziell begünstigt wurden einmal mehr eher Wirtschaftsunternehmen und Wohlhabende. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP nahmen wenig Rücksicht auf die soziale Vulnerabilität von schlecht mit den nötigen materiellen Ressourcen ausgestatteten Bevölkerungsschichten. Wie es scheint, folgt der außen-, energie- und militärpolitischen Zeitenwende, die Bundeskanzler Olaf Scholz nach Beginn des Ukrainekrieges ausgerufen hat, nunmehr eine sozialpolitische Zeitenwende. Wenn gigantische Mehrausgaben im Rüstungsbereich erfolgen, wird es kaum möglich sein, die gewaltigen Herausforderungen zu bewältigen, vor denen die Bundesregierung steht: Sie muss ihren Beitrag zum Stopp der verharmlosend "Klimawandel" genannten Erderwärmung leisten, die Modernisierung der Infrastruktur unseres Landes vorantreiben und dessen zahlreiche soziale Probleme (Prekarisierung der Arbeit, Verarmung eines Teils der Bevölkerung, Fluchtmigration, Wohnungsnot, Mietenexplosion, Pflegenotstand, Bildungsungleichheit usw.) lösen.
"Umverteilung des Reichtums"
Warum nimmt die soziale Ungleichheit seit Jahren zu? Welche Rolle spielen dabei Wirtschaftsstrukturen, Eigentumsverhältnisse und Verteilungsmechanismen? Mit welchen Narrativen werden die beträchtlichen Einkommens- und Vermögensunterschiede gerechtfertigt? Christoph Butterwegge beleuchtet die Politik unterschiedlicher Bundesregierungen und fragt, weshalb sich die Kluft zwischen Arm und Reich nach der "Zeitenwende" und zusätzlichen Rüstungsanstrengungen weiter vertieft. Er nimmt den Niedriglohnsektor, den »Um-« bzw. Abbau des Sozialstaates sowie die Steuerentlastungen für Wohlhabende in den Blick. Wie lässt sich die Entwicklung aufhalten und verhindern, dass die Reichen noch reicher und die Armen noch zahlreicher werden? Angesichts der Umverteilung von Unten nach Oben setzt das Buch eine Rückverteilung des Reichtums auf die Agenda. Abschließend wird diskutiert, ob neben einer stärkeren Tarifbindung, einem Verbot prekärer Beschäftigung sowie höheren Besitz-, Kapital- oder Gewinnsteuern die Umgestaltung des bestehenden Wirtschaftssystems nötig ist.
Prof. Dr. Christoph Butterwegge war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2016 Hochschullehrer für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln und 2017 Kandidat der Linkspartei bei der Bundespräsidentenwahl.
Gerne besucht, oft besungen: So anziehend der Kölner Dom auch sein mag, so desaströs sind die Schlagzeilen über jenes Erzbistum, für das er steht: Missbrauchsskandale, massenhafte Kirchenaustritte. »In diesem Riesenkerker«, so Heinrich Heine bereits 1844, »wird die deutsche Vernunft verschmachten«. In 18 Episoden blickt Fritz Bilz auf die Schattenseiten einer Kathedrale, die den einst mächtigsten Erzbischof Deutschlands beheimatete - einen Mann, der den Kaiser mitbestimmte. Frivolen Darstellungen aus dem mittelalterlichen Chorgestühl hält der Kölner Historiker eine Geschichte von Kindesmissbrauch und >Knabenschänderei< entgegen, die er bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgt. Der Band beleuchtet die >Hexenprozesse< ebenso wie die Verfolgung von Jüdinnen und Juden. Er fragt nach der Rolle des Klerus in der Gegenreformation, der 1848er-Revolution und der NS-Zeit. Er geht auf Bergpredigt und Soldatengottesdienste ein, auf Versuche zur Spaltung der Gewerkschaftsbewegung und auf das >Richter-Fenster<. Auf den »Dom von Köllen« reimte Heine »den kolossalen Gesellen«, der »verteufelt schwarz emporragt«. Ein Wahrzeichen, so Bilz, soll er bleiben.
Fritz Bilz, Dr. phil., *1944. Historiker und freier Publizist in Köln. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte mit den Schwerpunkten Arbeiterbewegung und NS-Zeit. Mehrfach ausgezeichnet für sein Engagement im Bereich Kultur und Geschichte.