Iris Därmann

Sadismus mit und ohne Sade

gebunden , 350 Seiten
ISBN 3751820078
EAN 9783751820073
Veröffentlicht September 2023
Verlag/Hersteller Matthes & Seitz Verlag
32,00 inkl. MwSt.
Sofort lieferbar (Versand mit Deutscher Post/DHL)
Teilen
Beschreibung

Wie konnten Menschen tun, was sie ihresgleichen in den ungeheuren Gewaltgeschichten der Moderne angetan haben? Iris Därmann findet eine Antwort in der zentralen Rolle einer historisch neuen Gewaltlust. In der transatlantischen Versklavung verband sich diese Lust an der Gewalt unauflöslich mit der Folter der Auspeitschung. Der Marquis de Sade war über die Zustände in den französischen Kolonien nicht nur gut unterrichtet, er hat die koloniale Gewaltlust auch literarisch sichtbar gemacht und in pornografische Praktiken verwandelt, die auf die Aufhebung der Sklaverei zielten. In Därmanns Analyse kommt Sade daher eine Schlüsselstellung zu: Sadismus ist in dieser Perspektive eine organisierte Gewaltpraxis, ein pornografisches Genre und ein kolonialrassistischer Gebrauch der Lüste. Gegen den verharmlosenden Versuch der Sexualwissenschaften des späten 19. Jahrhunderts, »Sadismus« auf die »Perversion« von Einzeltätern zu reduzieren, untersucht Därmann augenöffnend das gezielte Wiederaufgreifen der Peitschenfolter bei der Kolonisierung Afrikas und der Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden; sie gibt dabei insbesondere jenen Raum, die der sadistischen Gewalt ausgesetzt waren, sie hellsichtig diagnostiziert und sich ihr widersetzt haben. Seit den 1930er-Jahren wurde Sadismus so auch zu einer kritischen Kategorie: Aimé Césaire, Frantz Fanon, Jean Améry, Georges Bataille und Pierre Klossowski fanden zurück zu Sades radikalpolitischem Projekt und stellten sich ihm zugleich bei der Suche nach einem anderen Begehren entgegen, das den menschlichen Körper nicht zur sadistischen Beute macht.

Portrait

Iris Därmann, 1963 in Witten geboren, ist Professorin für Kulturtheorie und Kulturwissenschaftliche Ästhetik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu ihren Veröffentlichungen gehören u. a. Fremde Monde der Vernunft. Die ethnologische Herausforderung der Philosophie (2005) sowie Figuren des Politischen (2009) und die Kulturtheorien zur Einführung (3. Auflage 2017). 2022 wurde sie mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet.

Hersteller
Matthes & Seitz Verlag
Großbeerenstraße 57A

DE - 10965 Berlin
Tel.:
E-Mail: vertrieb@matthes-seitz-berlin.de
Website:

Das könnte Sie auch interessieren

Sofort lieferbar
24,00
Sofort lieferbar
23,00
Sofort lieferbar
13,00
Sofort lieferbar
30,00
Maja Göpel
Werte
Gebund. Ausgabe
Sofort lieferbar
22,00
Sofort lieferbar
42,00
Sofort lieferbar
24,00
Sofort lieferbar
14,00
Sofort lieferbar
24,00