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Der Universalkünstler Anton Kirchmair -Sänger, Zeichner, Bildhauer und Schriftsteller lebt mit seiner Frau Martha unmittelbar an der bayerisch - tschechischen Grenze, in Marchhäuser, einer Einöde wie die Leute sagen, einem Paradies wie er sagt.
Einst verlief hinter dem Grundstück des Künstlers die Todeszone des Eisernen Vorhangs. Viele Menschen gibt es nicht mehr hier, "aber den Luchs und manchmal den Wolf, auch den Elch, die wilde Sau und den Auerhahn und dann meine Freunde, die Kreuzottern. Manchmal steht der Hirsch vor mir, aufrecht und voll Ruhe, mit mächtigen Geweih und wir schauen uns an."
Anton Kirchmair ist 1943 in München zur Welt gekommen. "Das Zitherspiel meines Vaters, das Heulen der Sirenen, das Detonieren der Bomben waren die Lieder an meiner Wiege. Davor eine feuchte Windel gegen den Staub der berstenden Häuser. Nach dem Krieg war die Stadt still, ohne Farben, ohne Bewegungen, voller Ruhe und Frieden."
Daran denkt Anton Kirchmair gerne, denn "die Stadt hat uns Kindern gehört". (zitiert nach Süddeutsche vom 4.7.2017).
In Dingolfing wird Kirchmair von dieser Kindheit erzählen und lesen, einer Kindheit, die in einer von Tod und Zerstörung gezeichneten Stadt den Kindern eine heute kaum vorstellbare Freiheit offenbarte. Und diese (verlorene) Freiheit der Jugend ist bis heute ein zentrales Anliegen Kirchmairs: "Das Schwimmen in der Isar, die Köpferer von den Brücken im Flaucher und am Tierpark und dann vom Georgenstein, als dieser noch kühn und frei stand, das Schwimmen durch die Wasserfälle, das Gehen über dem Eis, das Wissen um die Gefahren und um die Möglichkeiten, ihnen zu begegnen, das haben uns diejenigen beigebracht, die nicht vom Krieg zerschossen waren. Heute leben die Kinder in permanenter Aufsicht. Das ist eine der Tragödien unserer Gesellschaft."
Anton Kirchmair liest nicht nur, er erzählt, er inszeniert seinen Auftritt. Er artikuliert, malt mit den Lauten, und schweigt an den richtigen Stellen. Dann holt er die Gitarre hervor und singt. Schöne, ruhige Lieder vom Tod und einem kohlschwarzen Rappen, nicht nur der Zeit um 1945 und dem November entsprechend. (Foto: Hans Haas)
Besonders "live" ist Teresa Präauer ein Vergnügen, denn die rhythmisch rasante Sprache, gespickt mit Wortwitz und Klangexperimenten, macht ihren Roman "Oh Schimmi" zu einem literarischen Ereignis.
Teresa Präauer hat einen "formvollendet freien Roman geschrieben, verrückt, verstörend, sehr komisch und auch tragisch", schreibt die "Zeit", und alle Medien sind sich einig, "Oh Schimmi" ist "großartig", "genial", "einzigartig". Die in Wien lebende Künstlerin und Schriftstellerin ist Trägerin des aspekte-Literaturpreises und wurde zum Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Schimmi, der tragikomische Held ihres Buches, ist ein spätpubertierendes Muttersöhnchen, das mit seiner ebenso durchgeknallten Mutter in einem Hochhausappartement wohnt. Er wünscht sich nichts sehnlicher als eine Frau. Es kommt zu grotesken Begegnungen mit dem anderen Geschlecht, aber anstatt zum Liebhaber macht er sich zum Affen, und zwar ganz wörtlich, er zieht sich das Affenkostüm über; oh Schimmi!
Das ist immer wieder sehr witzig, aber dennoch bleibt Schimmi auch ein tragischer Held. In einer kalten Welt aus Hochhäusern und Stadtautobahnen sind Annäherungsversuche eben leicht zum Scheitern verurteilt, da hilft auch das Fernrohr nichts, mit dem er seine Liebste über die Straßenschlucht hinweg beobachtet.
Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015 begeisterte Teresa Präauer Jury und Publikum, in einer Stichwahl unterlag sie dann ganz knapp. Was eine "Affenschande" ist, wie Deutschlandradio Kultur bemerkte. In Dingolfing darf man auf einen sehr kurzweiligen Abend gespannt sein.
Foto: Katharina Malojnovic
Antje Rávic Strubel, die in Potsdam lebt, machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen mit ihrem Episodenroman "In den Wäldern des menschlichen Herzens", der von der Literaturkritik, z. B. von Denis Scheck, hoch gelobt wurde. Es geht um Liebende, Begehrende, die unterwegs sind, aber nie ganz ankommen; in der skandinavischen Natur, in der Wüste und in Metropolen wie Manhattan und München. Alles wird in Frage gestellt, auch die traditionelle Geschlechteridentität gerät ins Wanken. Antje Rávic Strubel erzählt hellsichtig und leidenschaftlich von den Brüchen, den blinden Flecken und verborgenen Strömungen in unseren Vorstellungen von der Liebe.
Vor gut 30 Besuchern las Antje Rávic Strubel Episoden aus ihrem Buch, die verschiedene Möglichkeiten von Liebe, aber auch deren Brüchigkeit aufzeigen. Die Gäste folgten gespannt der konzentrierten Lesung, teils begeistert, teils überrascht. Die anschließende Diskussion verlief sehr lebhaft und interessiert.
Foto: Zaia Alexander
(1) H.C. Artmann (2) Anna Wimschneider (3) Sibylle aus der Schmitten spielt Molly Bloom aus Ulysses von J.Joyce (4) Martin Sperr (5) Ensemble Die Rache der fetten Sau (6) Anna Mitgutsch (7) Judith Jannberg (8) Ludwig Fels (9) Barbara Frischmuth (10) Sascha Scholl liest Ödön von Horvath (11) Miriam Pressler (12) Rafik Schami (13) Bernt Engelmann (14) Uwe Timm (15) Gudrun Pausewang (16) Elsbeth Wolffheim referiert über Vladimir Nabokov (17) Marieluise Ritter (18) Aysel Özakin (19) Joseph von Westphalen (20) Salim Alafenisch (21) Wolf Wondratschek (22) Burkhart Schröder (23) Pavel Kohut (24) Thommie Bayer (25) Nasrin Bassiri (26) Monika Hartig (27) Herta Müller (28) Wolfgang Hilbig (29) Anna Rosmus (30) Hans-Dieter Schwarze (31) Josef Winkler (32) Gabriele Wohmann (33) Maxim Biller (34) H.C. Artmann (35) Hans Joachim Schädlich (36) Werner Fritsch (37) Monika Maron (38) Marcel Beyer (39) Franzobel (40) Carl Amery (41) Das andere Niederbayern (Martin Sperr, Hubert Ettl, Karin von Wangenheim, Hartmut Riederer, Django Asül) (42) Marianne Hofmann (43) Zoe Jenny (44) Thomas Meinecke (45) Zé do Rock (46) Arnold Stadler (47) Birgit Vanderbeke (48) Gerd B. Ziegler (49) Peter Stamm (50) Julia Franck (51) Feridun Zaimoglu (52) Norbert Niemann (53) Zé do Rock (54) Selim Özdogan (55) Wladimir Kaminer (56) Leoluca Orlando (57) Helmut Krausser (58) Alexa Hennig von Lange (59) Charles M. Huber (60) Eva Demski (61) Literamatic (Die bücherladen-Crew liest aus den letzten 20 Jahren) (62) Arno Geiger (63) Zsuzsa Bánk (64) "StückWerk" - ein Thomas-Bernhard-Abend mit Hartmut Heder, Stefan Heinrichs und "Just Sax" (65) Rocko Schamoni (66) Max Goldt (67) Josef Winkler (68) Lydia Daher (69) Thomas Glavinic (70) Wilhelm Genazino (71) Clemens Meyer (72) Peter Wawerzinek (73) Andreas Altmann (74) Friedrich Ani (75) Josef Bierbichler (76) Christoph Nußbaumeder und Anna Eger (77) Judith Kuckart (78) Andreas Altmann (79) Zè do Rock (80) Stefan Moster (81) Literamatic 2 (Hartmut Heder liest aus 30 Jahren bücherladen) (82) Anne von Canal (83) Antje Rávic Strubel (84) Teresa Präauer (85) Anton Kirchmair (86) Stefanie Sargnagel (87) Berni Mayer (88) Rainer Erlinger (89) Sasa Stanisic (90) Leif Randt (91) Antje Rávik Strubel (92) Jaroslav Rudiš (93) 38 Jahre bücherladen: Hartmut Heder liest aus 10 Jahren bücherladen und INGA spielt und singt (94) Ana Marwan (95) Angelika Klüssendorf