Seit Jahren ist László Carassin erfolglos. Noch nie hat er mit seinen Gedichten Geld verdient, doch dann wird er mit dem Sparkassen-Kunstpreis ausgezeichnet. Als die Preisverleihung im Wolfsburger Ritz-Carlton zur Farce gerät, beschließt László, noch am selben Abend sein altes Leben an den Nagel zu hängen und mit den 7.500 Euro Preisgeld in großem Stil neu anzufangen. Was folgt, ist eine nicht enden wollende Reise, eine Suche nach Identitäten und Lebensentwürfen, die nur eines gemeinsam haben: ihr verlässliches Scheitern. László versucht sich als Kapitalist an der bulgarischen Riviera, als Frührentner am Balaton, als Großkünstler in Nikosia und als bedingungslos Liebender in Odessa. Mit László Carassin schenkt Michel Decar uns eine der mitreißendsten literarischen Figuren seit Holden Caulfield. Endlich leidet, liebt, lungert und lustwandelt wieder jemand bis zum bittersüßen Ende - und mit einem unbedingten Glauben ans Leben.
Michel Decar, geboren 1987 in Augsburg, ist Autor und Regisseur. Er schrieb die Romane Tausend deutsche Diskotheken (2018) und Die Kobra von Kreuzberg (2021), zahlreiche Hörspiele für Deutschlandfunk Kultur sowie Theaterstücke für das Schauspiel Frankfurt, das Residenztheater München und das Thalia Theater Hamburg.
Nele Pollatschek: Kleine Probleme
"Es war Freitag, der 31. Dezember, und ich musste noch was erledigen. Also alles."
Ein tragikomischer Roman über unser Leben mit tausend unerledigten Dingen, die man später, also morgen, also eigentlich jetzt, noch schnell tun müsste. Über die Sehnsucht nach Sinn. Über die Liebe, den Tod und die Steuererklärung. Und darüber, wie unglaublich schwer es ist, sich nicht einfach wieder aufs Sofa zu legen.
Mila, dreißig, geht offline. Zu groß ist plötzlich die Angst vor der öffentlichen Sichtbarkeit. Jede gelöschte Spur im Netz ist ein Akt der Befreiung, gleichzeitig gelingt es Mila nicht, sich einzureden, dass die neue Yogaroutine erfüllender ist als der morgendliche Smartphonecheck. Die nostalgisch wiederentdeckte Langeweile wird schnell zu tiefer Einsamkeit. Sie teilt ihr Leben nicht mehr, aber niemand teilt es jetzt so richtig mit ihr, seit ihr Lebensstil mehr Gemeinsamkeiten mit dem von Emily Dickinson als dem ihrer alten Freundinnen hat. Doch der Drang, den schwerelosen Zustand vollkommenen Verschwindens zu erreichen, wird immer zwanghafter. Zeiten der Langeweile ist das Debüt einer Stimme, die mit hypnotischer Genauigkeit unsere Welt beschreibt und subtil mit der Sehnsucht nach Freiheit spielt.
Jenifer Becker, geboren 1988, arbeitet als Autorin, Kulturwissenschaftlerin und bildende Künstlerin. Sie studierte Kreatives Schreiben am Literaturinstitut Hildesheim, wo sie seit 2015 lehrt und forscht. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit Ambivalenzen digitaler Kulturen. Sie lebt in Berlin. Zeiten der Langeweile (2023) ist ihr Debütroman.
Zum wiederholten Mal und immer wieder sehr gerne haben wir TOBIAS SCHWARTZ bei uns zu Gast.
Was wir an seiner Literatur so mögen ist das gut Beobachtete, Empathische und Feinsinnige. Mit Landkrank ist er das erste Mal mit Erzählungen bei uns.
Begleitet wird er musikalisch von FRANZISKA MELZER und MARC EISENSCHINK
CHRISTIAN DITTLOFF im Gespräch mit KATJA LEWINA
darüber, was uns zu den Menschen macht, die wir sind und inwieweit wir uns verändern können.
Christian Dittloff verbindet in seinem Buch eigene Erfahrungen und Reflexionen über persönliche Vorbilder und Popkultur zu einem literarischen Spiel der Selbsterkundung. In einer inneren Archäologie untersucht er seine Kindheit und Jugend auf patriarchale Bruchstücke und versucht, diese aufzulösen. Sein Text ist ein innerer Denkmalsturz gewaltvoller Vorbilder und zugleich ein kraftvolles Manifest, sich ein Leben lang verändern zu wollen.
Autorin Katja Lewina ging in ihren Büchern "Sie hat Bock" und "Bock" ebenfalls auf Erfahrungen der Prägung der Geschlechter in Kindheit und Jugend ein und auf deren Auswirkungen auf die erwachsene Sexualität.
"Der Hausmann" ist ein unkonventioneller Roman. Er kombiniert traditionelle und außergewöhnliche Erzählweisen und zeichnet so eine Geschichte über gentrifizierung und Liebe, über Armut und schiefe Bahnen, exzessive Start-up-Kultur, Klimaerwärmung, veganes Hundefutter, Doktorwurst und Darknet. Es ist das Portrait eines Hauses, einer Stadt, einer Gesellschaft - einer Zeit, die sich noch wie das Jetzt anfühlt, aber schon bald verschwunden sein könnte.
"MTTR" erzählt eine Mutterwerdung, die deutsche Herkunft, Sprache und die Auswirkungen der Nachkriegserziehung reflektiert.
Ein Test im Büro bringt die Gewissheit: Teresa Borsig ist schwanger. Von der Idee einer Familie fühlt sie sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen. Da sind Erinnerungen an ihre Kindheit, an Distanz, Disziplin und Schläge.
Wird sie als Mutter geben können, was ihr selber fehlt?
An der Spitze einer Delegation junger Kulturschaffender reist Claudia Aebischer ein letztes Mal nach Pjöngjang. Starke Empfindungen sind ihr eigentlich fremd. Doch sieht sie sich mit einer Erscheinung konfrontiert, die eine alte Sehnsucht in ihr weckt. "Eine Liebe in Pjöngjang" ist die unwahrscheinliche Geschichte einer Liebe zwischen zwei ungleichen Frauen, zwei Lebensaltern, zwei Kulturen.
Lesung und Verlagsvorstellung mit Herausgeber und Übersetzer Tobias Schwartz und Verlegerin Britta Jürgs im Rahmen der Hotlist-Lesetour.
Aphra Behn – Spionin, frühe Kolonialismuskritikerin und Feministin avant la lettre – ist die erste bekannte freie Schriftstellerin Englands und »Erfinderin« des realistischen Romans, wie wir ihn kennen. Mit viel Witz brechen ihre Romane, Erzählungen, Komödien und Gedichte mit den Geschlechterstereotypen und gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit.
Die 2021 bei uns erschienene zweibändige Werkausgabe mit Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und Gedichten, übersetzt und herausgegeben von Tobias Schwartz, wurde als eines der zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen auf die Hotlist 2022 gewählt.
Andreas Deffner kennt Land und Leute. In seinem fünften Buch der Reihe "Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland" liegt der Fokus auf kleinen Schummeleien. Jedes Kapitel ist ein Spaziergang durch den Alltag der Griechen. Er zeigt uns das wahre Leben, abseits der Touristenpfade. Und zwar vor und während der Corona-Pandemie. Vom Einsatz mit dem Gesundheitsamt, über die Langeweile eines Inselbewohners im Winter, bis hin zu Holzradtouren durch die Hauptstadt Athen ist alles dabei. Selbst ein an ein Märchen erinnerndes Erlebnis mit einer Prinzessin, ein Titanic-ähnliches Schiffsunglück und die Fabel von der alten Möwe Stavros finden sich unter den dreizehn Kapiteln. Außerdem geht es in ein Bergdorf zum Digital Detox. Das Hauptkapitel widmet der "1. Favarista" einer speziellen Hülsenfrucht, die außerhalb Griechenlands kaum jemand kennt: Platterbsen. Aus ihnen wird die geschichtsträchtige Fava produziert. Eine appetitanregende Exkursion durch die unterschiedlichen Anbauregionen und eine kulinarische Entdeckungsreise. Passend dazu gibt es zu jedem Kapitel ein Kochrezept. Denn Griechenland geht durch Leib und Magen.