Vortrag und Lesung
Mit »Liebe Kitty« hat Anne Frank eine der bekanntesten Tagebuch-Adressatinnen und eines der wichtigsten Zeugnisse der Greueltaten des Nationalsozialismus hinterlassen. Sich der eigenen Existenz vergewissern, Ungeheuerliches und Alltägliches festhalten, einen inneren Monolog führen - die Gründe fürs Tagebuchschreiben sind so unterschiedlich wie ihre Autorinnen und geben unmittelbaren Einblick in individuelle und gesellschaftspolitische Entwicklungen, schärfen aber auch den Blick für aktuelle Geschehnisse und zukünftige Szenarien.
Anlässlich des 80. Todestags von Anne Frank unternimmt der Abend einen Streifzug durch Tagebücher aus den 30er und 40er Jahren von u.a. Anne Frank, der Niederländerin Etty Hillesum (»Das denkende Herz«) sowie den Künstlerinnen Charlotte Salomon (»Leben? Oder Theater?«) und Käthe Kollwitz (»Die Tagebücher«).
Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bonn (Kurs 6101)
Emmy Hennings, Hannah Höch und Sophie Täuber-Arp
Ohne sie wären die Gründung des Dadaismus im Züricher Cabaret Voltaire und alle weiteren Entwicklungen kaum denkbar gewesen: Mit ihren experimentellen Arbeiten und Performances, mit ihrer ungeheuren Probierlust und Unerschrockenheit waren Frauen wie Emmy Hennings, Hannah Höch und Sophie Täuber-Arp wichtige Vertreterinnen der Gruppierung. Und dennoch sind sie im Licht von Hans Arp, Hugo Ball oder auch Max Ernst allzu oft in den Hintergrund geraten.
In Anlehnung an die gleichnamige Ausstellung im Arp-Museum in Rolandseck unternimmt der Abend einen Streifzug durch die literarischen Arbeiten, aber auch wichtigsten Lebensstationen der Dadaistinnen.
Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bonn (Kurs 6114)
Sie waren bekannt als die drei Erichs: der Redakteur Erich Knauf, der Zeichner Erich Ohser alias e.o.plauen und der Schriftsteller Erich Kästner. In den 1920er Jahren begann ihre Freundschaft. Privat wie beruflich bildeten sie zeitweise ein Dreigestirn. Die Schicksalswege dieser drei Künstler vor dem Hintergrund ihrer Zeit, ihre Werke und ihre kritische Haltung, die Knauf und Ohser schließlich das Leben kosten sollte, sind Thema eines Gesprächs zwischen einem der Autoren, Jürgen Seul, und der Journalistin Diana Ivanova.
Die Ausstellungseröffnung findet am Mittwoch, 25. September, um 19 Uhr unter der Beteiligung von unter anderem Bürgermeisterin Nicole Unterseh, dem Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft der Büchergilde Alexander Elspas sowie des Sammlungsgebers Wendelin Strubelt in der Zentralbibliothek statt.
Die Büchergilde Gutenberg wurde am 29. August 1924 vom Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker auf Initiative seines Vorsitzenden Bruno Dreßler in Leipzig gegründet. Mitbegründer, geistiger Leiter und Autor war Ernst Preczang, der auch erster Cheflektor wurde. In der Tradition der deutschen Arbeiterbewegung stehend, wollte sie ärmeren Leuten durch preiswerte Bücher den Zugang zu Bildung und Kultur ermöglichen.
Als Kulturinstitution der Werktätigen nahm die Büchergilde sozial engagierte Texte moderner Autoren wie B. Traven, Oskar Maria Graf, Martin Andersen Nexö, Jack London und Mark Twain in das Programm auf.
Die Büchergilde hat eine große buchkünstlerische und buchhandwerkliche Tradition. Insbesondere die Tradition der künstlerisch illustrierten Bücher begründete den in der Verlagswelt hervorragenden Ruf der Büchergilde, die bis in die Gegenwart hinein zahlreiche Prämierungen und Auszeichnungen für Buchgestaltung erhalten hat.
Gezeigt werden circa 80 illustrierte Bücher aus 100 Jahren aus der Sammlung von Jutta und Wendelin Strubelt.
Eine Kooperation von Stadtbibliothek Bonn, Volkshochschule Bonn und Altstadtbuchhandlung & Büchergilde Bonn
Die Ausstellung kann von Mittwoch, 25. September, bis Samstag, 23. November, in der Zentralbibliothek während der Öffnungszeiten besucht werden.
Zur Ausstellungseröffnung ist eine Anmeldung bis zum 20. September per Telefon 0228/772277 oder per Mail stadtbibliothek@bonnde erforderlich.
Rainer Brauer hat für jeden Tag des Jahres einen dichtenden Menschen gefunden, der an besagtem Tag Geburtstag hat. Sie bestimmen mit ihren Geburtstagen welche Gedichte Rainer Brauer liest. Informationen zu den Schöpfern der Sprachkunstwerke kommen jeweils dazu.
Zeitlich geht es vom Barock in die Gegenwart, wird räumlich der gesamte deutsche Sprachraum einbezogen, es werden komische, melancholische, alberne, sprachverspielte, konventionelle, politische, religiöse, traurige Gedichte geboten.
Bringen Sie Papier und Bleistift mit, denn abseits des Hauptweges ergeben sich viele Lektüreanregungen und Überraschungen.
Inmitten der 68er-Bewegung machen sich die Schwestern Lilly und Franzi Vordemfelde auf in eine abenteuerliche Zukunft. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein:
Lilly arbeitet beim Unterhaltungsfernsehen, wo sie Glanz und Glamour liebt. »Einer wird gewinnen«, »Spiel ohne Grenzen«, »Der goldene Schuss«, überall ist sie dabei.
Franzi ist politisch engagiert: Das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Studierendenproteste, der Mord an Benno Ohnesorg, all das erschüttert sie zutiefst und motiviert sie, mit dem modernen Medium Fernsehen die Welt zu verändern.
Der "Orchideengarten" erschien als Zeitschrift mit dem Nebentitel "Phantastische Blätter" von 1919 bis 1921. Der Düsseldorfer Verlag "Zagava" legte 2017 ein Reprint auf - einige illustre Schriftsteller und Grafiker des Phantastischen hatten dort ihre ersten Veröffentlichungen
Klassiker wurden selbstverständlich ebenfalls aufgenommen.
Leider muß die Veranstaltung vom 11. Oktober kurzfristig verschoben werden. Der neue Termin ist Donnerstag, 16. November um 19:30 Uhr.
Danke für Ihr Verständnis
Ihr Team der Altstadtbuchhandlung
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Für eine kurze Periode von ungefähr zehn Jahren tauchte Mitte der 60er das Phänomen der Underground-Zeitschriften auf. Es startete in den USA und verbreitete sich rasch weltweit dermaßen, dass man heute von über 5.000 Zeitschriften und über 5,5 Millionen Lesern ausgeht.
Die Zeitschriften kamen mit einer aufsehenerregenden und provokativen Grafik, pflegten einen neuen Stil des agitativen Journalismus, suchten neue Vertriebswege und Organisationsformen und schufen schließlich einen weltweit funktionierenden Informationsverbund.
Die seinerzeit aufgeworfenen Themen wie Vollwertkost und der Verzicht auf Chemikalien, Selbstverwirklichung, alternative Gesundheit, wiederverwertete Stoffe, Recycling, artgerechter
Umgang mit Tieren, Freigabe von Cannabis, alternative Energie, natürliche Geburten, nicht-genmanipuliertes Saatgut usw. könnten aktueller nicht sein.
Wolfgang Guting arbeitet seit 40 Jahren am Aufbau eines Archivs der Gegenkultur der Sixties. Aktuell hat er einen Katalog über Periodika dieser Zeit veröffentlicht.
Wir weisen darauf hin, dass Darstellungen in Wort und Bild, die nach heutigem Rechtsverständnis als nicht jugendfrei gelten, unumgänglich sind.
Von 1945 bis 1957 lebten im bayerischen Wolfratshausen im Ortsteil Föhrenwald zeitweise mehr als 5000 Juden, Überlebende des Holocaust - mit Synagogen, Religionsschulen und einer eigenen Universität für Rabbiner. Föhrenwald hatte eine jüdische Selbstverwaltung, eine jiddische Zeitung und eine jüdische Polizei. 1957 wurde Föhrenwald aufgelöst, die Bewohner auf deutsche Großstädte verteilt. Föhrenwald wurde umbenannt und aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Der Ort steht exemplarisch für einen weitgehend unbekannten Teil der deutschen Geschichte.
Der Autor ist dort aufgewachsen, er hat das Schweigen erlebt. Er verwebt die Spurensuche in seiner Heimat mit den Geschichten der Überlebenden - denen, die nach Israel gingen, und denen, die aus dem Land der Täter nicht weg konnten. "Ich habe meine gesamte Jugend in einer Art Theaterkulisse verbracht, einer sehr schönen, fast kitschigen Theaterkulisse mit verschneiten Bergen am Horizont, glasklaren Seen, mit malerischen Bauerndörfern und barocken Kirchen. Natürlich war das alles real, aber die Bilder im Kopf bekamen zerschlissene Ränder und fadenscheinige Stellen, als ich herausfand, dass mitten in dieser friedlichen Landschaft ein blinder Fleck war, eine sehr große undurchsichtige Leerstelle, über die nie geredet worden war."
Grenzen und Möglichkeiten von Literatur in »verhärteten Zeiten«
"Wenn die Stimme versagt, tritt der Körper seine Wanderung innenwärts an", so beginnt das Langgedicht von Yevgeni Breyer, aus seinem Gedichtband "Frieden ohne Krieg", der 2023 erschienen ist und u.a. den Krieg in der Ukraine verhandelt. "Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht", heißt es wiederum bei Ingeborg Bachmann in ihren Frankfurter Vorlesungen. Und die belarussische Autorin Volya Hapeyeva schreibt 2022 über die "Verteidigung der Poesie in Zeiten anhaltenden Exils", ein Plädoyer für Poesie in gesellschaftlich virulenten Zeiten.
Ein literarisch-gesellschaftspolitischer Streifzug durch Grenzen und Möglichkeiten zeitgenössischer Literatur in "verhärteten Zeiten".
Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der VHS Bonn (Kurs 6106)